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Ungeduld – der größte Gegner in der Hundesicherung

  • Autorenbild: Hundentlaufen HDH
    Hundentlaufen HDH
  • 26. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Nicht der Hund. Nicht das Wetter. Nicht die Dunkelheit.

Sondern: die Ungeduld der Halter*innen.


Sie ist verständlich – ja. Aber sie ist gefährlich. Denn sie will zu viel, zu schnell.

Sie rennt los, wo Stille nötig wäre. Sie ruft, wo Schweigen Leben retten kann.

Und sie ist es, die am Ende oft dazu führt, dass ein Hund nicht gesichert werden kann. Weil die Nerven durchgehen. Weil der Druck zu groß wird. Weil sich niemand vorstellen kann, dass Nichtstun manchmal die wichtigste Maßnahme ist.


Darum möchten Wir hier mal erklären, was wirklich passiert, wenn wir einen Fall übernehmen.

Was wir tun – und vor allem: warum wir manches eben nicht tun.



Der erste Schritt: Ruhe reinbringen

Wenn sich Besitzer*innen bei uns melden – meist völlig aufgelöst – stellen wir gezielte Fragen:

  • Wo ist der Hund entlaufen?

  • Trägt er Halsband, Geschirr, Leine?

  • Wie alt ist er? Welche Rasse? Gibt es Krankheiten oder Einschränkungen?


Diese Infos sind unsere Basis. Denn wir müssen wissen, mit wem wir es zu tun haben:

Ein junger, mobiler Hund ohne Leine ist eine andere Nummer als einer mit Schleppleine, der sich irgendwo verfangen könnte.


Dann erstellen wir einen Flyer – mit unseren Kontaktdaten. Nicht die der Besitzer*innen.

Warum?

Weil wir zu viele Anrufe bekommen, die nichts bringen. Von Menschen, die es besser wissen. Oder nur „mal fragen“ wollen. Oder einfach nichts Sinnvolles beitragen.

Deshalb: unsere Nummern, unser Filter.



Kein Aktionismus – Suchtrupp nur im Ausnahmefall

Wenn der Hund mobil ist und keine Leine mit sich zieht, stoppen wir jede gut gemeinte Aktion.


Kein Rufen. Kein Hinterherrennen. Kein Suchen auf eigene Faust.

Denn das treibt den Hund weiter. Im schlimmsten Fall direkt in den Tod.

Einen Suchtrupp organisieren wir nur dann, wenn der Hund mit Leine entlaufen ist. Dann besteht die Gefahr, dass er irgendwo hängen bleibt – und sich nicht mehr selbst helfen kann. Aber auch das passiert nicht kopflos: Wir legen Karten an, teilen Gebiete ein, planen gezielt.

Und: Wir übernehmen nur Fälle im Umkreis von ca. 30 Minuten Fahrzeit.

Alles andere schaffen wir ehrenamtlich nicht.



Sichtungen – unser wertvollstes Werkzeug

Wenn Menschen den Hund sehen, melden sie sich telefonisch bei uns. Wir tragen jede Sichtung sofort in eine Karte ein – mit:

  • Datum und Uhrzeit

  • Ort

  • Verhalten des Hundes

  • Info: Trägt er noch Geschirr oder Leine?


Zusätzlich notieren wir die Telefonnummer der Sichter*innen – für Rückfragen.

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die meisten Sichtungen stimmen. Aber wir überprüfen sie. Hinterfragen. Vergleichen. Und sortieren aus, wenn’s nicht passt.



Was man nicht tun sollte

Ich sag’s nochmal, weil es so wichtig ist:

Nicht rufen. Nicht verfolgen. Nicht klatschen, locken, pfeifen.

Auch nicht, wenn es „mein Hund“ ist. Denn draußen verändert sich was. Hunde schalten um. Nach ein paar Tagen erkennen sie selbst vertraute Stimmen nicht mehr – oder sie vertrauen ihnen nicht mehr.


Wer einen Hund sieht, soll eins tun: Still bleiben. Beobachten. Uns anrufen. Mehr nicht.

Mehr dazu findest du hier.



Flyer sind keine Zierde

Flyer sind unser Fundament. Ohne sie gibt es keine Sichtungen. So einfach – und so schwer.


Darum sagen wir allen Halter*innen: Flyert, was das Zeug hält.

Jede Laterne. Jeder Zaun. Jedes Ortsschild. Nicht fünf Zettel am Ortseingang.

Sondern 50. Mindestens.


Wir teilen den Flyer natürlich auch digital. Aber der Mensch auf dem Fahrrad sieht keine WhatsApp-Gruppe. Er sieht einen Zettel. Oder er sieht nichts.

Und ja – wir machen klare Ansagen. Aber manche Menschen hören nicht zu.

Manche glauben, sie wissen es besser .Und am Ende – sind wir dann schuld, wenn’s nicht klappt?



Futterstellen? Erst, wenn der Hund bleibt

Sobald wir merken: Der Hund hält sich in einem Gebiet auf, richten wir dort eine Futterstelle ein. Nicht früher.

Eine Futterstelle heißt bei uns:

  • Futter

  • Kamera

  • absolute Ruhe


Aber das ist kein „wir stellen mal eben was hin“. Das Einrichten einer Futterstelle braucht Zeit. Und zwar nicht wenig.


Wir müssen den richtigen Ort finden – möglichst ruhig, sicher und erreichbar.

Wir bringen die Kamera an, richten sie aus, testen sie mehrfach. Wir ziehen Wurstwasserspuren, platzieren das Futter so, dass der Hund es annimmt, aber nicht misstrauisch wird.


Kurz gesagt: Das ist nicht „schnell gemacht“, das ist Arbeit – mit Köpfchen und Geduld.

Und erst wenn der Hund regelmäßig kommt, planen wir die Falle.



Lebendfalle: Wenn alles bereit ist

Die Falle stellen wir nur dort, wo wir dürfen.

Deshalb klären wir vorab alles mit:

  • Grundstücksbesitzer*innen

  • Polizei

  • Jägern (wenn nötig)


Unsere Falle ist videoüberwacht und fernsteuerbar. Wenn eine Katze kommt – schalten wir ab. Wenn der Hund kommt – warten wir. Wenn er drin ist – fahren wir sofort los. Auch nachts. Auch bei Sturm. Auch mit müden Augen.

Denn dieser Moment zählt.



Wir machen das nicht für Likes.

Wir machen das ehrenamtlich. Unbezahlt. In unserer Freizeit. Mit dem Herzen voran.

Aber wir brauchen dafür:

  • Vertrauen.

  • Geduld.

  • Und Menschen, die bereit sind zuzuhören.


Hundesicherung ist kein Bauchgefühl. Es ist Erfahrung. Struktur. Und Stille, wo andere laut werden wollen.



Und manchmal bleibt einfach nur Stille.

Wir wissen: Wir sind für viele einfach nur fremde Stimmen am Telefon.

Menschen, die plötzlich mitreden wollen, wenn der eigene Hund verschwunden ist.

Und natürlich ist es schwer, da zu vertrauen. Gerade in so einem Ausnahmezustand.

Aber wir machen das nicht erst seit gestern. Wir machen das nicht zum Spaß. Und schon gar nicht, um jemanden zu belehren.


Wir machen es, weil wir wollen, dass der Hund nach Hause kommt. Lebend. Sicher. In seinem Tempo.

Und ja – manchmal klappt es trotzdem nicht. Nicht, weil wir nicht alles versucht hätten. Sondern, weil Anweisungen ignoriert wurden. Weil zu viele mitreden wollten. Weil die Ungeduld am Ende doch lauter war als unser „bitte warte noch“.

Weil das Schicksal es anders wollte.

Dann stehen wir da. Mit leeren Händen. Und einem Kloß im Hals. Weil wir wissen:

Es hätte anders ausgehen können.

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